DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Selene hat nach einem Absturz ganz schlechte Laune. BILD: ZVG

Kommentar

Warum ich «Returnal» nicht zu Ende spielen werde

«Returnal» ist exklusiv für die Playstation 5 erhältlich und will uns mit einem gruseligen SciFi-Setting begeistern. Das ist alles zwar ganz nett gemeint, aber die Nerven liegen nach den ersten Stunden blank. Ein Erfahrungsbericht mit Emotionen.



Selene ist hässig. Und ich bin es auch.

Die Raumfahrerin durchlebt nach einer Bruchlandung den Moment nach dem Absturz immer und immer wieder. Na ja, so oft halt, wie ich meine Nerven nicht im Zaum halten kann und keinen Ausweg aus diesem Labyrinth finde.

Denn jedes Mal wenn sie stirbt, respektive wenn ich als Spieler wieder mal versage, wird die Gestrandete an den Level-Anfang zurückgeworfen und das Ganze fängt wieder von vorne an. Zusätzlich verändert sich auch noch die Levelstruktur zufallsbedingt und zeigt mir damit auch noch den Stinkefinger.

Ein Genre für Masochisten?

Solche Spiele werden dem Roguelike-Genre zugeordnet und wollen eigentlich vom grossen Mainstream-Kuchen der Videospiellandschaft gar nichts wissen. Denn nur die ganz harten Auserwählten wagen sich in diesen Strudel aus Herausforderung, Glücksgefühle und Wutanfällen. Denn wenn die Figur stirbt, ist die Gaudi vorbei und es muss von vorne begonnen werden. So will es das Gesetz.

Ohne hier zu tief in die Videospiel-Historie einzutauchen, diese Art von Unterhaltung ist nur für Menschen mit ganz vielen Nerven gedacht. Oder solche, die etwas masochistisch veranlagt sind und eine wirkliche Herausforderung suchen. Und genau diese Zielgruppe hat das finnische Entwicklerstudio Housemarque mit «Returnal» ins Visier genommen.

Die grosse Vorfreude

Ich gestehe: Am Anfang hat mich «Returnal» komplett in seinen Bann gezogen. Das beginnt schon vor dem eigentlichen Spiel, wenn die Kachel auf dem Homescreen darauf wartet, dass die Tortur beginnt und ich kurz vor dem Reinklicken bin. Da erklingen ganz sanfte, gruselige Töne, die meine Vorstellungen in eine bestimmte Richtung schieben.

Bild

Die Gruselstimmung in dieser fremden Welt weckt die Vorfreude. bild: zvg

Düstere Science Fiction, ein Planet mit unbekannter Flora und Fauna, wo Aliens à la H.R. Giger hinter jedem Baum hervorspringen mögen, das weckt die Vorfreude. Gutes Intro, ein Absturz, der Überlebenskampf, eine unbekannte Welt und fremde Architektur, alles ganz super und die Begeisterung hält vorerst an.

Regentropfen in meinen Händen

Und während Selene auf diesem düsteren Planeten Atropos ihre ersten Schritte wagt, wird mir wieder mal bewusst, wie gut dieser neue PS5-Dualsense-Controller ist. Wenn es in dieser Welt regnet, spüre ich die Tropfen in meinen Händen. Leichte Vibrationen und akustisches Feedback machen es möglich. Die Begeisterung steigt weiter nach oben. Vorerst.

In einem futuristischen Anzug, der eine ordentliche Schubdüse hat um ultracoole Ausweich-Moves zu vollziehen, renne und hüpfe ich durch diese finstere Welt, wo Monster mich schon bei der kleinsten Bewegung in Stücke reissen wollen. Selbstverständlich bin ich mit einer futuristischen Ballerwaffe gesegnet, die auch mit Sekundärfeuerkraft gefällt.

Bild

Es wird ordentlich geballert in dieser Sci-Fi-Welt. bild: zvg

Und auch hier entsteht via Controller-Verbindung wieder diese Immersion. Alles wirkt in den ersten Stunden ganz wundervoll. Die Steuerung ist eine kleine Offenbarung, das Trefferfeedback ist göttlich und jederzeit ist da das Gefühl, seine Spielfigur perfekt kontrollieren zu können. Aber dann, dann kommt der Tod.

Alles wieder auf Anfang

Und dieser Gevatter Tod kommt immer und immer wieder. Als Videospiel-Konsument kennt man ihn ja bereits seit Jahren. Aber eben, hier bedeutet das Ableben auch der Beginn von vorne. Selenes Reise beginnt nach dem Bildschirmtod immer wieder beim Levelstart. Dabei ändern sich auch die Irrgärten und Spezialwaffen sind nach dem Ableben futsch. Alles wieder auf Anfang. Ich hasse es.

Bild

War ich hier schon mal? Wahrscheinlich schon ... bild: zvg

Doch dann sind da wieder diese Momente, wo mich dieses Spiel neugierig macht und ich ihm seine fiese Art verzeihe. Wenn ich etwa endlich einen Bossgegner weghaue, dann kocht da dieses erhabene Gefühl in mir hoch.

Wenn ein versteckter Abschnitt oder eine Abkürzung entdeckt wird und sich die intelligente Levelstruktur bemerkbar macht, dann sind alle schlechten Erfahrungen der vergangenen Stunden kurz vergessen.

Oder wenn ich in dieser fremden Welt nichtsahnend ein altes, heimisches Holzhaus entdecke, das mir wohl durch das Unterbewusstsein irgendwas mitteilen möchte, dann werde ich wach und die Begeisterung brennt wieder.

Doch kaum sterbe ich und muss zu meinem Raumschiffwrack zurückkehren, klopft mir die schlechte Laune auch schon wieder auf die Schulter.

Alleine, ausgelaugt und ohne Antrieb

So vergehen sie denn, die Stunden der Qual. Ich komme vorwärts, ich kämpfe, ich sterbe. Und alles wieder von vorne. Bestimmte Abschnitte kann ich schon auswendig. Manche Gegner erledige ich mittlerweile fast schon im Schlaf.

Aber ich fühle, wie mich diese Art von Spiel auslaugt. Oft fühle ich mich stehen gelassen, ohne Anhaltspunkte, ohne Antrieb. Denn eine narrative Komponente gibt es kaum, respektive es braucht viel Geduld, bis sich da etwas regt.

Dabei ist diese nervenaufreibende Kompromisslosigkeit kein unbekannter Fremdkörper. Als wir damals stundenlang in den Spielhallen herumlungerten und die Automaten mit Münzen stopften, waren wir auch auf uns alleine gestellt. Wer versagte, musste von vorne beginnen. So wie bei «Returnal».

Kein Mitleid, keine Motivation

Nein, ich werde «Returnal» nicht zu Ende spielen. Selene wird für immer in dieser Zeitschlaufe gefangen bleiben. Das kümmert mich aber auch nicht. Mitleid ist nicht vorhanden, denn das Spiel vermag bei mir kaum einen Bezug zur Spielfigur herzustellen. Trotz einiger durchaus positiven Momenten und Glücksgefühlen ich bin raus und überlasse Selene nun ganz alleine ihrem Schicksal. Viel Glück!

«Returnal» ist ab dem 30. April exklusiv erhältlich für Playstation 5. Freigegeben ab 16 Jahren.

Die neusten Game-Reviews

Warum «It Takes Two» das fast perfekte Zweispieler-Game ist

Link zum Artikel

Warum du dieses geniale Horror-Game aus der Schweiz spielen solltest

Link zum Artikel

Das neue «Super Mario»-Game zeigt, dass Nintendo ein Problem hat

Link zum Artikel

Warum «Hitman 3» das perfekte Feierabend-Game geworden ist

Link zum Artikel

«Cyberpunk 2077»: Das faszinierendste Game des Jahres sorgt auch für Frust und Spott

Link zum Artikel

Das neue Zelda-Game ist ein Action-Traum für «Breath of the Wild»-Fans

Link zum Artikel

Warum unser Game-Kritiker «Assassin’s Creed Valhalla» entnervt abgebrochen hat

Link zum Artikel

Warum das neue Spider-Man-Game perfekt zum Start der Playstation 5 passt

Link zum Artikel

London is calling! «Watch Dogs: Legion» hackt sich in die Herzen der Openworld-Fans

Link zum Artikel

Der Game & Watch aus den 80ern ist zurück, aber die Neuauflage macht nicht alle froh

Link zum Artikel

Nintendo hat gerade «Mario Kart» neu erfunden

Link zum Artikel

«Star Wars: Squadrons» im Test – so gehen Weltraumschlachten!

Link zum Artikel

«Super Mario 3D All-Stars» weckt alte Game-Erinnerungen – gute und schlechte

Link zum Artikel

Ich habe «Tony Hawk» nie gespielt – heute hasst mich mein Vergangenheits-Ich dafür

Link zum Artikel

Warum das neue Marvel-Game nicht sooo übel ist, wie ich befürchtet habe

Link zum Artikel

«Tell Me Why» ist ein bewegendes Videospiel-Drama, das unter die Haut geht

Link zum Artikel

Zwischen Wutausbruch und Nostalgieflash: Das neue «Battletoads» weckt Emotionen

Link zum Artikel

In diesem Game steckt der Spieler in der Monster-Rolle – und das macht mächtig Spass

Link zum Artikel

So geht Open-World! Warum «Ghost of Tsushima» das bessere «Assassin’s Creed» geworden ist

Link zum Artikel

Horror-Fans aufgepasst! «Maid of Sker» ist ein kleiner Geheimtipp

Link zum Artikel

«Assassin's Creed Valhalla» überrascht uns nicht und das ist auch gut so!

Link zum Artikel

Liebe «Twin Peaks»-Fans, «Deadly Premonition 2» könnte euch gefallen

Link zum Artikel

«The Last of Us 2»: Das beste und vor allem wichtigste Spiel, das ich je gespielt habe

Link zum Artikel

Die grosse Game-Kritik: Warum «The Last of Us Part 2» Videospielgeschichte schreibt

Link zum Artikel

Es ist angerichtet: Kann sich das Trash-Game «Maneater» durchbeissen?

Link zum Artikel

Lust auf einen LSD-Trip? Dann spiel doch mal «80’s Overdrive»!

Link zum Artikel
Es ist angerichtet: Kann sich das Trash-Game «Maneater» durchbeissen?

Der Kult-Prügler «Streets of Rage» feiert nach 26 Jahren ein Comeback – aber was taugt es?

Link zum Artikel

Alkoholismus und Depressionen: Dieses Videospiel ist nichts für schwache Nerven

Link zum Artikel

Die teuerste Spielkonsole aller Zeiten feiert ihren 30. Geburtstag

Link zum Artikel

Dieses Game ist so schlecht, dass du es nicht mal im Corona-Lockdown spielen magst

Link zum Artikel

Corona-Koller? Mit diesem neuen Game wird's dir allein zu Haus garantiert nicht langweilig

Link zum Artikel

«Resident Evil 3» im Test: So gut ist das Horror-Remake

Link zum Artikel

«Doom Eternal» ist ein brutal witziger Egoshooter, der mich keine Sekunde enttäuscht hat

Link zum Artikel

Ein Traum wird wahr: Mit «Dreams» dürfen eigene Videospiele kreiert werden

Link zum Artikel

Ich habe Nintendos Gehirnjogging-Game getestet und wurde dabei dümmer

Link zum Artikel

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 60+ Spiele dürfen wir uns 2020 freuen

Link zum Artikel

Das sind die 50 besten Games des Jahrzehnts

Link zum Artikel

Das neue Star Wars-Game «Jedi: Fallen Order» lässt Fan-Herzen höher schlagen

Link zum Artikel

Die Switch Lite ist der fast perfekte Game Boy, den ich mir als Kind gewünscht hätte

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die besten Games der PlayStation 2

1 / 7
Die besten Games der PlayStation 2
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Videospiel liefert wertvolle Daten für die Forschung

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Loading …

Fust down, Interdiscount und Microspot ausverkauft: Das wars wohl wieder mit der PS5

Viele Gamer mussten in der Schweiz mit einer «alten» Playstation-Konsole in das neue Jahr starten. Als Sony im September überraschend den Vorverkauf startete, war die neue Playstation 5 in der Schweiz innert kürzester Zeit ausverkauft. Zwar gab es im November und im Dezember noch weitere Verkaufswellen, das Bild war jedoch jedes Mal das gleiche: Die Nachfrage war riesig, das Angebot leider zu klein. Deshalb mussten sich viele aufs neue Jahr gedulden.

Nun war es endlich soweit, Sony schickte eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel