Unvergessen
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PAP11-19980221-MANCHESTER, UNITED KINGDOM: Manchester United goalkeeper Peter Schmeichel (R) saves a shot from Derby's Stefano Eranio (L) during the Premiership match at Old Trafford, 21 February. Manchester United defeated Derby 2-0.  (Other player not identified.)  EPA PHOTO/PA/John Giles/STF/drm-hh   == UK OUT ==

Peter Schmeichel in Action auf einer undatierten Aufnahme im Spiel gegen Derby County.
Bild: PRESS ASSOCIATION

Unvergessen

04.02.1997: Goalie Peter Schmeichel erzielt ein Fallrückzieher-Tor – aber es endet im Drama

4. Februar 1997: Peter Schmeichel ist einer der grössten seiner Zunft. Der dänische Keeper hext seit Jahren bei Manchester United. Doch es fliesst auch Stürmerblut in seinen Adern. Acht Treffer erzielte er in seiner Karriere bisher. Jetzt droht dem grossen ManU die Blamage gegen Wimbledon – und Schmeichel trifft. Traumhaft gar. Unvorstellbar schön und spektakulär für einen Goalie. Aber der Treffer zählt nicht.



Manchester United ist im Jahr 1997 in England seit Jahren das Mass aller Dinge. Der Meister von 1993, 1994 und 1996 ist bereits wieder auf dem besten Weg zum nächsten Meistertitel. Seit zwei Monaten und 14 Spielen sind die «Red Devils» ungeschlagen. Im FA-Cup stand der Titelverteidiger in den letzten drei Jahren im Endspiel (Sieger 1994 und 1996). Und jetzt wartet in der vierten Runde des Cups das bescheidene Wimbledon

Etwas überraschend endet das erste Spiel am 25. Januar 1:1. Die Partie muss – wie es die FA-Cup-Regeln verlangen – wiederholt werden. Vor dem Rückspiel treffen die beiden Teams am 29. Januar auch in der Liga aufeinander. ManU gewinnt dank Toren von Ryan Giggs und Andy Cole 2:1. 55'312 Zuschauer sorgen für den Saisonrekord im Old Trafford.

Manchester United's Danish goalkeeper Peter Schmeichel is flanked by celebrating teammates Dennis Irwin, left and Steve Bruce, right, after United clinched the English Premier League title by beating Middlesbrough 3-0 at the Riverside Stadium in Middlesbrough Sunday May 5, 1996. (AP Photo/John Giles) *UNITED KINGDOM OUT*

Manchester United ist in dieser Phase kaum zu stoppen. Hier feiert Peter Schmeichel unter anderem mit David Beckham (hinten Mitte) und Denis Irwin (l.) den Meistertitel 1996.
Bild: AP PA

Das FA-Cup-Rückspiel am 4. Februar findet im Selhurst Park in London statt. 25'000 Zuschauer sorgen für eine volle Hütte und dafür, dass die Partie 15 Minuten später angepfiffen wird. Den ganzen Tag über hatte es schon geregnet. Doch ManUnited lässt sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Der haushohe Favorit kommt schnell zu Chancen und führt nach 60 Minuten beispielsweise bei den Eckbällen mit 10:1. Nur ein Tor will nicht gelingen. Allen ist klar: Hier kachelt's bald. 

Tatsächlich fällt in der 63. Minute das Tor. Allerdings für Wimbledon. Marcus Gayle verwertet einen Kopfball aus fünf Metern. Die Reaktion Manchesters fällt im Dauerregen heftig aus. Aber auch erfolglos. Zumindest bis zur 91. Minute. Dann hält es selbst Peter Schmeichel nicht mehr in seinem Kasten aus und der Goalie kommt bei einem weiteren Eckball mit nach vorne.

Ein Raunen geht durchs Stadion. Alle wissen noch genau: Dieser Schmeichel erzielte in seiner Karriere schon acht Tore. Und der 1,91-Meter-Hüne nickte vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation schon erfolgreich ein. Damals lagen die «Red Devils» in der ersten UEFA-Cup-Runde gegen Rotor Volgograd 1:2 zurück. Schmeichel glich wuchtig zum 2:2 aus – aber aufgrund der Auswärtstorregel schieden die Engländer damals aus.

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Peter Schmeichel trifft im UEFA-Cup als Goalie für Manchester United gegen Rotor Volograd.
YouTube/h tr

Jetzt also schreitet der blonde Turm gegen Wimbledon in den gegnerischen Strafraum. Der Eckball kommt zur Mitte, Gary Pallister köpft von der Sechzehnergrenze Richtung Gehäuse. Der Ball kommt zu Peter Schmeichel, der auf der Fünfmeterlinie mit dem Rücken zum Tor wartet. Und was macht der Keeper? Er befördert den Ball mittels Fallrückzieher ins Tor:

Die Fans toben, Mitspieler springen in die Höhe, alle glauben an den Ausgleich. Nur Schmeichel zeigt kaum eine Reaktion, sondern joggt zurück in seine Hälfte. Er weiss – und Sekunden später auch alle anderen: Offside. Der Treffer zählt nicht. Manchester United scheidet aus. Nach zwei Monaten setzt es die erste Niederlage ab. Wimbledon wird nach dem Coup bis in den Halbfinal stürmen. Dort bedeutet Chelsea Endstation. 

Schmeichel dürfte es verkraften. Er wird in den nächsten Jahren unter anderem 1999 das «Treble» mit dem dramatischen CL-Final gegen die Bayern feiern. Danach verlässt er nach acht Jahren den Klub.

Nach einem Jahr bei Sporting Lissabon kehrt der Däne 2001 auf die Insel zurück. Er unterschreibt bei Aston Villa und wird sich dort in den Geschichtsbüchern der Premier League verewigen. In der Partie gegen Everton kommt Schmeichel kurz vor Schluss wieder nach vorne. Er trifft bei seinem 10. Saisonspiel zum 2:3. Dieses Mal zählt der Treffer und der mittlerweile 38-Jährige wird zum ersten Keeper, der in der Premier League (seit 1992) ein Tor erzielt. Bis heute haben nur Brad Friedel, Paul Robinson, Tim Howard und Asmir Begovic das gleiche Kunststück geschafft.

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Peter Schmeichel trifft mit einem schönen Volley zum 2:3 für Aston Villa. 
YouTube/perjunior00

Bis zu seinem Karrierenende wird Schmeichel elf Tore erzielen. Das schönste aller bleibt jedoch dasjenige gegen Wimbledon, welches nicht zählte.

PS: Was viele nicht mehr wissen. Peter Schmeichel beendete seine Karriere nicht bei Aston Villa sondern hängte noch eine Saison an. Die letzte Station war ... Manchester City. In der Saison 2002/03 holte er mit den Citiziens einen Sieg und ein Remis gegen «sein» ManU. Er hat damit in seiner Karriere in neun Jahren und 18 Anläufen nie ein Manchester-Derby verloren. Freude haben die alten Kollegen bei ManU beim Wiedersehen allerdings nicht alle. Vor dem ersten Aufeinandertreffen schüttelt Schmeichel im Spielertunnel nur Paul Scholes und Fabien Barthez die Hand. Auch Gary Neville möchte er viel Glück wünschen. Doch dieser verweigert den Gruss entschieden:

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Da gehört Schmeichel definitiv nicht dazu: Die meist gehassten Fussballer der Welt

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