Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Diese nicht gerade gemütliche Ersatzbank erwartet den FC Basel in Linz. bild: ch media / jakob weber

Der FC Basel braucht ausgerechnet in Kollers «Albtraum-Stadion» ein kleines Wunder

Der FC Basel trifft heute im Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation auswärts auf Linz. Nach dem 1:2 im Hinspiel braucht der FC Basel ein kleines Wunder. Dann könnte auch der Trainer Marcel Koller das schaffen, was ihm in Österreich gelang. Seine Kritiker überzeugen.

jakob weber / ch media



Marcel Koller wird es nicht langweilig, als er am Montag kurz nach 11 Uhr am Flughafen in Linz auf sein Gepäck wartet. Der FCB-Trainer ist ein gern gesehener Gast in Österreich. Etwas Small-Talk hier, ein Foto mit einem Flughafenangestellten da. Die Österreicher haben offenbar nicht vergessen, was Koller von 2011 bis 2017 als Nationaltrainer geleistet hat und freuen sich, ihn jetzt wieder hier begrüssen zu dürfen.

Das war nicht immer so. Als der Zürcher am 1. November 2011 als neuer Nationaltrainer Österreichs präsentiert wurde, hagelte es Kritik. Ein Schweizer in einer wichtigen Position im österreichischen Fussball war in den Augen vieler ein Affront gegen das rot-weiss-rote Selbstverständnis. «Bei allem Respekt, was macht ihn qualifizierter als die österreichischen Trainer?», fragte die österreichische Fussball-Legende Hans Krankl. «Ich glaube nicht, dass es eine glückliche Entscheidung war», sagte Rekordtorschütze Toni Polster.

Doch Koller zeigte es seinen Kritikern. Nachdem Österreich die WM 2014 verpasste, erlebte der ÖFB in den folgenden zwei Jahren einen nicht für möglich gehaltenen Höhenflug. Ungeschlagen preschte das Team von Koller durch die EM-Qualifikation. Das ganze Land feierte seinen Schweizer Trainer. Als Österreich nach einem 4:1-Sieg gegen Schweden definitiv als EM-Teilnehmer feststand, kam Koller mit Béret und Baguette zur Pressekonferenz. Diese Aktion machte den Schweizer im Nachbarland definitiv zum Liebling der Massen. «Ich musste viel gegen die österreichischen Journalisten arbeiten. Die waren sich schon nach Spiel 2 sicher, dass wir zusammen an die EM fahren. Mit der Baguette-Aktion wollte ich ihnen zeigen, dass auch ich jetzt fix in Frankreich bin», erklärt Koller heute.

Wäre es nach dem schweizerischen Fussballverband gegangen, hätte Koller diesen Erfolg nicht mit Österreich gefeiert und wäre stattdessen nach dem Rücktritt von Ottmar Hitzfeld 2014 Nati-Trainer geworden. Doch Koller entschied sich gegen sein Heimatland und verlängerte in Österreich. Nach 2001 sagte er der Schweiz damit zum zweiten Mal ab. «Der Entscheid hat wehgetan, schliesslich bin ich Schweizer. Aber mein Bauchgefühl hat entschieden», erklärte Koller damals, und so kam es, dass der Zürcher in Österreich heute mehr Anerkennung erhält als hierzulande. Polster sagt mittlerweile: «Koller hat einen Klassejob gemacht. Dass er etwas kann, steht ausser Frage.»

ZUM SDA-TEXT ZUR UEFA EURO 2016 IN FRANKREICH UEBER DEN SCHWEIZER TRAINER DER OESTERREICHISCHEN NATIONALMANNSCHAFT, MARCEL KOLLER, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -    Teamchef Marcel Koller beißt in ein Baguette am Mittwoch, 09. September 2015, während einer PK des ÖFB in Wien. (KEYSTONE/APA/GEORG HOCHMUTH)

Marcel Koller mit Béret und Baguette. Bild: APA

Nächtelanges Spiele analysieren

Marcel Koller kehrt nicht nur wegen seinen Erfolgen mit der Nationalmannschaft gerne nach Österreich zurück. Seit knapp 40 Jahren ist er dem Land verbunden. 1981 lernte er in einem Zürcher Kaffeehaus die gebürtige Tirolerin Jolanda kennen. Die beiden heirateten und haben heute zwei erwachsene Kinder. Die Ehe ging in die Brüche, Kollers Liebe zu Österreich nicht. Auch heute noch weilt er in den Ferien gerne in Wien, zuletzt in der vergangenen Sommerpause. «Ich habe kulturell und sportlich viele schöne Erinnerungen an Österreich», sagte Koller gestern auf dem Weg nach Linz.

Seine erste Ehe soll auch deswegen in eine Scheidung geführt haben, weil Koller schon damals nächtelang Spiele analysierte. «Ich dachte manchmal, was bringt das noch? Wieder ein Video, noch ein ...», sagte seine Ex-Frau einst im österreichischen Boulevard. Von dieser Akribie hat Koller offenbar nichts verloren. Wie jedes Spiel hat der FCB-Trainer auch das Hinspiel gegen LASK nochmals ganz angeschaut. Seine Analyse: «Wir brauchen mehr Aggressivität und ein schnelleres Umschaltspiel.» Gestern Nachmittag zeigte der Trainer seinen Spielern nochmals die wichtigsten Szenen auf Video.

Die Noten zur LASK-Pleite des FC Basel:

Linz spielt international im «Albtraum-Stadion»

Normalerweise spielt der LASK seine Heimspiele in Pasching, einem Vorort südlich von Linz. Doch für internationale Spiele wechselt Linz ins grösste Stadion der Stadt. Der frisch verlegte Rasen überstand die beiden Abschlusstrainings unbeschadet. Das Stadion auf der Gugl wird von der österreichischen Presse «Kollers-Albtraumstadion» genannt, weil er mit Österreich 2012 sein bislang einziges Spiel dort mit 0:3 gegen die Elfenbeinküste verlor. Doch Koller selber weist darauf hin, dass er mit der U16 schon als Spieler auf der Gugl bei einem Turnier so gut gespielt habe, dass er sich noch heute daran erinnern kann. «Ich freue mich wieder auf das Stadion.»

Bild

Das Stadion in Linz ist hinter einem Tor offen. bild: ch media / jakob weber

Ob Kollers Gugl-Erinnerung positiv bleibt, hängt vom Ausgang des heutigen Spiels ab. Denn in Basel wird Koller anders als in Österreich immer wieder kritisch beäugt. Nachdem er die Turbulenzen in der Sommerpause überstand und beim 2:1 gegen Eindhoven die erste «magische Nacht» seiner Amtszeit mitgestaltete, schien Ruhe eingekehrt.

Doch als Koller im Hinspiel gegen Linz auf Taulant Xhaka verzichtete und sein FCB gegen den Underdog zu Hause verdient verlor, war er in den Augen vieler schnell der Schuldige für die Niederlage. Diesmal fehlen Xhaka wie auch van Wolfswinkel verletzt. Das ändert aber nichts daran, dass ein Ausscheiden gegen Linz der nächste Nackenschlag für die Beziehung zwischen Koller und Basel wäre. Dann wird den Trainer bei der Rückkehr am Flughafen auch kaum einer in Small-Talk verwickeln oder um ein Foto bitten.

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Scherzanruf beim FC Basel

Play Icon

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stambuoch 13.08.2019 14:32
    Highlight Highlight Kommt man weiter, dann super.

    Scheidet man aus, dann hat man in der CL 2019/20 einfach nichts verloren.

    So einfach sieht das aus unserer FCB-Fan-Optik aus.
  • Kaffo 13.08.2019 10:57
    Highlight Highlight Eine Nationalmannschaft trainieren kann man nicht ganz mit einer Clubmannschaft vergleichen die an mehreren Wettbewerben gleichzeitig Teil nimmt.
    • Konrad Konterbier 13.08.2019 12:44
      Highlight Highlight Koller ist zweifacher Schweizer Meister, und dies nicht mit übermächtigen Teams wie Basel oder YB. Ich denke, dass er auch eine Clubmannschaft trainieren kann, muss er nicht mehr beweisen.
    • rburri38 13.08.2019 13:37
      Highlight Highlight Das stimmt für St. Gallen, GC war damals aber schon noch übermächtig. Niemand dachte wohl damals daran, dass Basel die nächsten 15 Jahre dominieren wird. Wenn man um diese Zeit (Wie ich) zum CH-Fussball fand, hat man auch heute noch eine grosse Abneigung gegen das "grosse" GC :)
  • Asmodeus 13.08.2019 09:43
    Highlight Highlight "Braucht der FCB ein kleines Wunder"


    Der FCB muss mindestens zwei Tore schiessen und weniger Tore kassieren als der Gegner.

    Das ist kein Wunder sondern sollte absolut machbar sein. Ein 4-Tore Unterschied wäre ein kleines Wunder.
    • hopplaschorsch12 13.08.2019 11:11
      Highlight Highlight und wer soll denn die Tore schiessen? Offensiv ist der FCB für internationales Niveau (zu) schwach besetzt. Wir werden heute sehen was möglich ist.

«Europa ist zurück in Basel» – der FCB schafft den grossen Coup gegen Eindhoven

Der FC Basel gewinnt in der Champions-League-Qualifikation zuhause gegen Eindhoven 2:1 und dreht das 2:3 aus dem Hinspiel. Die Teilnahme in der Gruppenphase der Europa League ist dem FCB damit gewiss.

Zwei hochkarätige Chancen hatte Ricky van Wolfswinkel liegen gelassen. Im dritten Anlauf klappte es: Der Niederländer erzielte in der 68. Minute das 2:1, das dem FCB den Einzug in die nächste Qualifikationsrunde zur Champions League und das Ticket für die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League einbrachte, sollte er im weiteren Qualifikations-Verlauf scheitern. Der FCB kämpfte und begeisterte. Es gab ein Happy End Standing Ovations von den Zuschauern – welch eine Wohltat für die …

Artikel lesen
Link zum Artikel