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Berns Headcoach Kari Jalonen, waehrend dem ersten Playoff Halbfinalspiel der National League, zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Dienstag 26. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Vertrag verlängert! Kari Jalonen bleibt voraussichtlich bis 2021 SCB-Trainer. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der SCB versucht, die Zeit anzuhalten – der grösste Fehler der SCB-Neuzeit

Die SCB-Titanic rauscht unter Volldampf blind durch den Nebel und verlängert mit Trainer Kari Jalonen. Wird der grosse, ruhmreiche finnische Trainer zum «Captain Smith des Hockeys»?



Der Vertrag mit Kari Jalonen ist nun also wie allseits erwartet verlängert worden. Nicht wie ursprünglich beabsichtigt um zwei, sondern «nur» um ein Jahr bis zum Ende der nächsten Saison (Frühjahr 2021). Ein Jahr, nicht zwei Jahre – möglicherweise ist es den SCB-Bürogenerälen bei der ganzen Sache nicht rundum wohl. Sollte es tatsächlich so sein, dann werden sie es natürlich nicht sagen.

Eigentlich ist diese Vertragsverlängerung nichts anderes als der Versuch, die Zeit anzuhalten. Eine wunderbare Zeit: Unter dem finnischen Trainer hat Bern in drei Jahren dreimal die Qualifikation und zweimal den Titel (2017 und 2019) gewonnen. Und das ist das Problem.

Einem Trainer den Vertrag nicht verlängern, der so erfolgreich ist beziehungsweise war? Unmöglich! Zwar ist längst zu erkennen, dass das «System Jalonen» in Bern nicht mehr störungsfrei funktioniert und der SCB punktgleich mit den kriselnden SCL Tigers «am Strich» klassiert ist. Aber für die Playoffs wird es schon noch reichen.

Es ist einfach bequemer, einen Trainer zu behalten (bei dem man weiss, was man hat), als den Neubeginn zu wagen. Auf der blind durch Nebel dahindampfenden SCB-Titanic fehlt auf der Kommandobrücke nicht nur der Mut zum Neuanfang, es fehlt wegen Betriebsblindheit und Namensgläubigkeit auch die Einsicht, dass ein Neuanfang notwendig ist.

Der Name Kari Jalonen garantiert doch den Erfolg! Bis heute ist es allerdings erst einem einzigen Menschen gelungen, den Lauf der Zeit anzuhalten. Dem Feldherren Josua bei der Eroberung des Gelobten Landes. Im Buch der Bücher lesen wir:

«Josua sprach vor den Augen Israels: Sonne, steh still in Gibeon, und du, Mond, im Tal Ajjalon! Und die Sonne blieb mitten am Himmel stehen und eilte nicht zum Untergang, ungefähr einen ganzen Tag. Und es war kein Tag wie dieser, vor ihm und nach ihm, dass der Herr auf die Stimme eines Menschen gehört hätte.»

Bild

Josua gebietet der Sonne, stillzustehen. bild: akg-images

In der Trainerfrage ist die Zustimmung von Marc Lüthi erforderlich. Der SCB-Manager und -Mitbesitzer versucht mit der Vertragsverlängerung die Zeit anzuhalten. Er mag der König von Bern sein. Aber er ist nicht Josua.

Del Curto als Vorbild für Jalonen

Im Sport steht die Zeit nie still. In einem dynamischen Mannschaftsspiel wie dem Eishockey erst recht nicht. Nun steht die Zeit im Inneren des SCB eineinhalb Jahre bis ins Frühjahr 2021 still – aber nicht oben am Hockeyhimmel. Da zieht die Sonne weiter. Und der Mond auch. Der dringend notwendige Erneuerungsprozess wird in Bern nun um eineinhalb Jahre hinausgeschoben.

Die Parallelen zum HCD sind nicht zu übersehen. In Davos oben wagte es niemand, Arno Del Curtos Vertrag nicht mehr zu verlängern. Das war nach den goldenen Jahren mit sechs Titeln einfach nicht denkbar. Obwohl sich die Zeichen mehrten, dass sich diese goldenen 20 Jahre dem Ende zuneigen.

ARCHIVBILD ZUR VERPFLICHTUNG VON ARNO DEL CURTO ALS NEUER TRAINER DER ZSC LIONS, AM MONTAG, 14. JANUAR 2019 - Davos' Trainer Arno Del Curto schaut skeptisch im Eishockey National League A Spiel zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem HC Davos, am Samstag, 24. September 2016, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Am Ende sah auch Del Curto ein, dass seine Zeit in Davos abgelaufen war. Bild: KEYSTONE

Arno Del Curto hat schliesslich selbst sein Amt niedergelegt – und damit dem HCD einen grossen Gefallen getan. Die Davoser sind so zum Neuanfang gezwungen worden.

Mit Gaudenz Domenig hat ein kluger Präsident diese Chance mit einem neuen Sportdirektor, einem neuen Trainer, neuen Assistenten und teilweise neuem ausländischem Personal geschickt genützt. Der HCD, der im letzten Frühjahr die Schmach der Playouts zu erdulden hatte, führt die Tabelle nach Verlustpunkten an.

Jalonen dem Untergang geweiht?

Eine solche Erneuerung ist in Bern nicht möglich. Der Glaube an den «Jalonismus» ist angesichts der jüngsten Erfolge noch viel zu gross. Und bei der extremen Zentralisierung des Sportbetriebs auf Kari Jalonen und seine finnischen Kumpels wird ja nicht ganz zu Unrecht der Zusammenbruch des bisherigen Systems befürchtet.

SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen freut sich ueber den Sieg im fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Samstag, 20. April 2019, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Noch hat Kari Jalonen gut lachen. Bild: KEYSTONE

Ein Zusammenbruch, der allerdings so oder so erfolgen wird. Also bleibt alles beim Alten. Den Kopf kann man im Hockey nicht ins Eis stecken. Sonst würde man im Falle der Berner von einer «Vogel-Strauss-Politik» sprechen. Der Strauss steckt angeblich dann, wenn Gefahr im Anzug ist, den Kopf in den Sand.

Der Freude über die einjährige Vertragsverlängerung wird schon mittelfristig eine lange Reue folgen. Wir bemühen beim SCB gerne Vergleiche mit der Titanic. Sie passen halt.

1912 überträgt die Reederei «White Star Line» das Kommando über ihr neustes Schiff – die Titanic – dem hoch angesehenen, charismatischen Kapitän Edward John Smith. Aufgrund seiner Beliebtheit unter der Besatzung und den Passagieren und nicht zuletzt auch wegen seiner grossen Erfahrung. Er hatte sich ja bereits auf der Britannic, Republic, Majestic, Baltic, Adriatic und Olympic bewährt. Das Kommando erhält also nicht ein junger, dynamischer Kapitän mit neuen Ideen.

Bild

Titanic-Kapitän John Smith im April 1912. bild: flickr

Im Herbst 2019 verlängert der SC Bern das Kommando des charismatischen, hoch angesehenen Kari Jalonen über die erste Mannschaft vorzeitig um ein weiteres Jahr. Aufgrund seiner Beliebtheit unter dem Personal und dem Publikum und nicht zuletzt auch wegen seiner grossen Erfahrung. Er hatte sich ja bereits in Oulu, Turku, Nowgorod, Prag und im Amt des finnischen Nationaltrainers bewährt. Das Kommando in Bern erhält also in absehbarer Zeit nicht ein junger, dynamischer Trainer mit neuen Ideen.

Im Januar 2021 wird Kari Jalonen 61. Als Kapitän Edward John Smith mit der Titanic unterging, war er 62.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 22.10.2019 07:30
    Highlight Highlight ...Chlöisu, der Käru ist mittelfristig die beste Option an Bern's Bande. Angesichts Jalonen's bereits unter Beweis gestellten Fähigkeiten kann der Lüthi deine Polemiken locker abtun. Und desweitern ist es egal, wenn sich irgendwelche Modefans über langweiliges Hockey beklagen und ihre Saisonabi nicht mehr beziehen. Wer den SCB länger begleitet, kennt kleine Tief's zur Genüge, wer Trainer wie Fuhrer, Pekka, Haworth (Coach) oder gar den Metzger erlebt hat, sehnt sich keineswegs nach einem neuen Besen. Als problematisch sehe ich eher den Chalet, hier muss optimiert werden.

    Item, Schweizermeister
    • Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl) 22.10.2019 17:05
      Highlight Highlight Danke Tikkanen für den "Modefan". (Saisonabi seit 1973 😝) Bin halt etwas älter geworden und muss
      meine Zeit einteilen.

      Schweizermeister trotz allem 😀

      Gruss, Housi (Ü60)
  • feuseltier 22.10.2019 00:50
    Highlight Highlight Wünscht jetzt K. Z dem SCB Trainer den Tod?!

    Schon ein bisschen makaber so einen Vergleich zu machen, nicht?
  • Heini Hemmi 21.10.2019 21:46
    Highlight Highlight Der Vergleich mit Del Curto hinkt gewaltig. Arno holte auch darum 6 Titel mit dem HCD, weil man ihn auch in schlechteren Zeiten - und auch diese gab es in den 20 Jahren - gewähren liess. Insofern ist es doch viel eher so, dass das Berner Büropersonal davon ausgeht, dass sich der SCB zurzeit unter Jalonen in einer Zwischenbaisse befindet - auf dem Weg zu 4 weiteren Meistertiteln.
  • c_meier 21.10.2019 21:28
    Highlight Highlight naja wenn im Sommer 2020 schon 12 Spieler-Verträge auslafen und 5 weitere NHL-Klauseln haben will der scb wohl zumindest auf der Trainer-Position etwas Konstanz...

    Ebbett und Gerber werden wohl nicht mehr verlängert, einige weitere dürfen sicher bleiben wenn sie denn wollen (nicht alle wollen unter Jalonen 3./4. Linie spielen mit eher wenig Eiszeit... => ist für Chatelain wohl auch nicht so einfach da Jahr für Jahr einige Gringos zu finden für diese 2 Linien, von dem her macht er seinen Job nicht soo schlecht)
    • Eau Rouge 21.10.2019 22:09
      Highlight Highlight Nur ganz kurz.

      Die Verträge, welche Chatelain „vergeigt“ hat, müssen nicht noch einmal aufgelistet werden, gell?!

      Würde Chatelain zutrauen, dass er Gerber nicht verlängert, wohlwissend des Abwehr-Zustandes seit dieser verletzt ist.

      Gottseidank kann er diesbezüglich gar nicht so viel falsch machen....😉😉
    • Jüre51 22.10.2019 00:00
      Highlight Highlight Chatelain hat mit Ebbett bereits vor Jahresfrist um 2 Jahre verlängert gibt also nichts zu verlängern! Mit Bidu kann Chatelain problemlos nochmals verlängern aber kein Rentnervertrag.
  • Mike Mueller 21.10.2019 20:47
    Highlight Highlight Die zeitgeschichtlichen Methapern von KZ finde ich noch interessant, meistens sind diese spannender als der Bericht selbst ;-)
  • Hagelhans im Blitzloch 21.10.2019 20:24
    Highlight Highlight Fängt die SCB-Titanic noch rechtzeitig an so leidenschaftlich gegen den drohenden Untergang zu spielen wie der Chronist hier vor ihm warnt, dann hüte sich, was ihr im Wege liegt.
  • Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl) 21.10.2019 19:35
    Highlight Highlight Nunja, der "Jalonismus", ergänzt mit seinem "schablonistischen" Hockey, hat mich dazu bewogen, mein (Stehplatz) Saisonabo für diese Saison nicht zu lösen. Falls ich irgendwann Lust haben sollte dem emotionslosen Finnen auf der Bank und dem langweiligem "Schablonenhockey", das offensichtlich die andern Clubs schon sehr gut verstanden haben zuzusehen, gibt's ja neuerdings wieder Tickets beim Corner.
    • Eau Rouge 22.10.2019 04:50
      Highlight Highlight Das ist als SCB-Fan dein gutes Recht...
      Bloss, was wäre, wenn ein junger, ungestümer Trainer (wie ihr, inkl. Zaugg) alle fordert, andauernd mit fliegenden Fahnen untergeht?! Sein Spiel kein System hätte?! So, wie damals mit Haworth als Trainer?!🤣🤣
      Dann wäre die Fan‘s oben auf der Rampe die ersten, welche einen neuen Trainer forderten!
      Abschliessend nun noch aus der Sicht der Spieler. Du spielst um den Erfolg. Ausschliesslich. Dass einzelne aufgrund ihrer Eiszeit nicht vollumfänglich zufrieden sind liegt wohl auch auf der Hand, nicht?!

      Was hat der SCB unter Jalonen bis jetzt erreicht?!

  • Team Insomnia 21.10.2019 19:05
    Highlight Highlight Tätschmeischter Zaugg 😂
  • BullyMcTravish 21.10.2019 18:41
    Highlight Highlight Jalonen ist nicht so beliebt beim Publikum wie es vielleicht wirkt. Viele hätten gerne eine etwas neues. Bin fast an jedem Heimspiel vertreten, aber das Interesse sinkt immer mehr. Sieht man ja auch an den Rückläufigen Zuschauerzahlen. Ausserdem wirkt sein System altbacken und ist alles andere als ein Augenschmaus. Aber der Erfolg gibt ihm leider Recht. Viele hätten gerne was neues, was frisches, jemand der auch die Jungen besser einbindet, aber dann wiederum will das Publikum unabdingbarer erfolg. Das lässt sich halt manchmal nicht miteinander vereinbaren.
    • Dynamischer-Muzzi 21.10.2019 20:29
      Highlight Highlight Der normale Alltag beim SCB. In der regulären Saison ist es nur selten gut besucht, was aber durch die Abos bei den Zahlen immer wieder beschönigt wird. Erst in den Playoffs ist die Bude dann meistens voll und das Interesse plötzlich da. Schade drum, Unterstützung geht anders!
    • Bort? 21.10.2019 22:29
      Highlight Highlight Bis der Neue dann da wäre und mit wehenden Fahnen unterginge...dann wünschen sich GENAU diese Leute Jalonen zurück ! "Hab doch immer gesagt Kari ist der Beste"

      ;)
    • CaptainObvious 21.10.2019 23:46
      Highlight Highlight @Muzzi:
      Marc Lüthi witd sicher die unverfälschten Zuschauerzahlen kennen und auch die Gastro-Einnahmeb sehen. Und das ist das was wirklich zählt für ihn.
      Wobei mir der bisherige Zuschauerschnitt realistisch erscheint - grundsätzlich solide besucht, aber doch weniger als letzte Saison.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yeah, right. 21.10.2019 18:25
    Highlight Highlight Gemäss Klaus Zaug tönt es so, als sei es schlecht mit Jalonen zu verlängern, weil er gut ist.

    Welcher Klub will nicht mit einem Erfolgstrainer verlängern?
  • Leguan 21.10.2019 18:01
    Highlight Highlight Wenn ein Verein über so viele Jahre so viel Erfolg hatte, ist es nur logisch, dass auch mal ein schlechteres Jahr kommt. Ich finde es auch nicht nötig jedes 2te Jahr den Meistertitel feiern zu können. Die freude ist viel grösser wenn es nur alle paar Jahre zum Titel reicht. Wir Bern Fans sind ziemlich Erfolg verwöhnt. Am liebsten hätten wir spektakuläres Eishockey und Famose Meistertitel, aber man kann nicht alles haben.
    Schauen wir was die Zeit bringt...
    • Heini Hemmi 21.10.2019 21:48
      Highlight Highlight Ohne Geld aus Zürich gäbe es für Berner keinen Blumentopf zu gewinnen, sowohl im Fussball als auch im Eishockey. 💐
    • feuseltier 22.10.2019 00:50
      Highlight Highlight so wie mit 2.5 sec? :)
  • LordEdgar 21.10.2019 17:44
    Highlight Highlight Nunja, wenn Smith = Jalonen, dann hoffen wir mal dass nie der erste Offizier das Kommando übernimmt, dann geht alles gut 😁
  • Herr J. 21.10.2019 17:22
    Highlight Highlight Den Vertrag nicht zu verlängern, ist tatsächlich riskant.
    Ihn nicht zu verlängern, wäre es ebenso.
    Das ist das Risiko im Sportbusiness, nachher ist man immer schlauer.

    Mir ist Kontinuität tendenziell lieber als das hire and fire in vielen Sportorganisationen. Auch wenn sich Jalonen tatsächlich neu erfinden muss, denn die Gegner haben seine "Schablonen" durchschaut.

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