Schweiz
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Gruene-Parteipraesidentin und Nationalraetin Regula Rytz, freut sich ueber ein Resultat am Wahltag der Eidgenoessischen Parlamentswahlen, am Sonntag, 20. Oktober 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Freut sich, dass Politologe Hermann mit seinen Prognosen so daneben lag: Grünen-Parteipräsidentin Regula Rytz. Bild: KEYSTONE

Der Umfrage-Flop: 3 Dinge, die die Wahlforscher massiv unterschätzt haben

Patrik Müller / ch media



«Muss Michael Hermann jetzt zurücktreten?» Der Tweet eines «WoZ»-Journalisten an die Adresse des Umfrage-Papstes war wohl nicht ernst gemeint, doch er bekam zahlreiche Likes, einen auch von SP-Kampagnenspezialist Marco Kistler. Sämtliche nationalen Umfragen lagen bei diesen Wahlen in drei Punkten auffällig stark daneben:

«Vor allem bei der jungen Generation schnitten die Grünen sensationell ab.»

Michael Hermann, der mit seinem Forschungsinstitut Sotomo für die SRG nationale Umfragen durchführte, räumte gestern Abend gegenüber der Redaktion von CH Media ein, dass es überraschende Abweichungen gab.

Doch er relativiert: «Beim Gesamtanteil von Rot-Grün lagen wir gut. Verschiebungen innerhalb eines Lagers sind immer schwer zu beurteilen», sagt Hermann.

Michael Hermann (Leiter Forschungsstelle sotomo), an der Medienkonferenz der Gesundheitsfoerderung Schweiz, im Cabaret Voltaire in Zuerich, am Mittwoch, 10. Oktober 2018. Mehr als 5‘500 Menschen haben an der Studie ueber das psychische Wohlergehen der Schweiz teilgenommen. Puenktlich zum 10. Oktober, dem internationalen Tag der psychischen Gesundheit, werden die Resultate praesentiert. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Polit-Geograf Michael Hermann Bild: KEYSTONE

Dass die Grünen besser mobilisiert hätten als prognostiziert und dass viele SP-Sympathisanten zu Hause geblieben seien – davon geht Hermann nicht aus: «Es gab innerhalb der linksgrünen Seite einfach mehr Wechselwähler als angenommen», sagt er. «Vor allem bei der jungen Generation schnitten die Grünen sensationell ab.»

Überrascht über das Abschneiden der CVP

Für Politgeograf Hermann ist das Abschneiden der CVP am überraschendsten. Noch vorgestern sagte er in der «Schweiz am Wochenende», es werde bei den Christdemokraten wohl lange Gesichter geben. In den Umfragen schwankte die CVP um die 10-Prozent-Marke, effektiv hat sie sich nun aber stabilisiert (bei gut 11 Prozent).

Das hatte kein Umfrageinstitut auf der Rechnung, auch Sotomo nicht. «Die CVP schnitt unerwartet ab», sagt Michael Hermann. Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister wies in der Elefantenrunde von SRF darauf hin, dass seine Partei besser abschnitt als vorhergesagt.

CVP-Parteipraesident und Nationalrat Gerhard Pfister spricht zu den Medien in der Eingangshalle des Bundeshauses, am Tag der eidgenoessischen Wahlen, am Sonntag, 20. Oktober 2019 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Gerhard Pfister freut das Ergebnis seiner Partei – es ist besser als prognostiziert. Bild: KEYSTONE

Und noch ein Irrtum unterlief Politologen, aber auch Medien und Politikern: Die Wahlbeteiligung war weit weg von den erhofften 50 Prozent. Im Jahr der Klima- und Frauenstreiks könnte sie erstmals seit 1975 wieder über diese Marke steigen, hiess es im Wahlkampf immer wieder.

Effektiv lag sie gemäss Hochrechnungen nun bei gut 47 Prozent, was gegenüber den Wahlen 2015 sogar ein Minus bedeutet. Michael Hermann sagt dazu: «Die 50 Prozent waren eine Fabelhoffnung.» Vor allem auf dem Land sei eine schwache Beteiligung absehbar gewesen.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Quacksalber 21.10.2019 18:16
    Highlight Highlight Schon überprüft, wieviel die CVP von Listenverbindungen insbes. von der GLP profitiert hat?
  • PlayaGua 21.10.2019 13:11
    Highlight Highlight Die Umfragen sind seit Jahren völlig untauglich. Mir ist es unbegreiflich, weshalb sie von den Medien dennoch immer ohne grosses Nachdenken aufgenommen werden.
  • FrancoL 21.10.2019 13:09
    Highlight Highlight Naja, es sind nicht 3 Punkte, sondern nur 2, denn Punkt 3 ist eine klare Abhängigkeit von Punkt 1.
    Hätte man mit dem grossen Zuwachs der Grünen gerechnet, hätte man auch die Verluste der SP einkalkulieren müssen, denn ab einem Plus von 2-3% für die Grünen, ist es klar die SP die Federn lassen muss.
  • Howard271 21.10.2019 12:03
    Highlight Highlight Ich denke, das liegt auch daran, dass in Wahlumfragen nur immer nach der „Hauptpartei“, die man wählen will, gefragt wird. Die meisten mischen jedoch viele Parteien zusammen, was dann nicht in den Umfragen abgebildet wird. Zudem bewegten sich die Resultate ja im Fehlerbereich.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 21.10.2019 17:23
      Highlight Highlight SRF hat mich gefragt, ob ich auch andere Parteien wähle.
  • Calvin Whatison 21.10.2019 11:58
    Highlight Highlight 🤣🤣🤣
    Benutzer Bild
  • nfabian 21.10.2019 11:35
    Highlight Highlight Die hier angegebenen Verluste sind von der 3. Hochrechnung und nicht vom Endresultat.
    Die SVP hat 3.8 und die SP 2.0 Prozentpunkte verloren.
  • Peter R. 21.10.2019 11:25
    Highlight Highlight Das Geld für die Wahlumfragen könnte man sich wirklich sparen - das Ganze ist nur für die "Galerie".
    Ein grösseres Problem bei Wahlumfragen könnte auch sein, dass ein Teil der Befragten sich nicht getraut zu sagen, wie sie denken.

Kommentar

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