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Tigers Goalie Ivars Punnenovs beim Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag 20. Oktober 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Tigers-Goalie Ivars Punnenovs kassiert weniger ab, als noch vor kurzem möglich schien. Bild: keystone

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Der «Salary Cap» ist vom Tisch – es gibt eine bessere Lohnbegrenzung

Unter dem Eindruck der Corona-Krise wollten die Klubs spätestens im November die Salärbegrenzung («Salary Cap») einführen. Davon kann keine Rede mehr sein. Aber das spielt eigentlich keine Rolle mehr.



Der «Salary Cap» ist bei der Liga-Versammlung im August noch nicht beschlossen worden. Und nun ist er auch nicht auf der Traktandenliste der November-Ligaversammlung. HCD-Präsident Gaudenz Domenig, der als «juristisches Gewissen» der Liga in dieser Sache Frontmann war, antwortet auf die Frage nach dem Stand der Dinge mit leiser Resignation in der Stimme: «Einige sind dafür, einige arbeiten dagegen …»

Liga-Direktor Denis Vaucher bestätigt: «Es stimmt, die Salärbegrenzung kommt bei der Liga-Versammlung im November nicht auf die Traktandenliste.» Das müsse aber nicht heissen, dass das Thema erledigt sei. «Eine Einführung ist ohnehin frühestens für die Saison 2022/23 möglich. Wir haben also noch etwas Zeit für die Ausarbeitung.»

Kommt die Luxussteuer?

Ohnehin ist inzwischen nicht mehr von einer Salärobergrenze die Rede. Sondern von einer «Luxussteuer». Wer eine bestimmte Gesamtlohnsumme für sein Team überschreitet, wird mit einer «Luxussteuer» bestraft. Ab welcher Gesamtlohnsumme wird ein Klub «luxussteuerpflichtig»? Wie wird diese «Luxussteuer» an die Klubs verteilt, die sich an die Obergrenze halten? Wann kann sie eingeführt werden, ohne den Grundsatz der Rechtssicherheit zu verletzen? Das sind die Punkte, auf die sich die Klubs einigen müssen. Der Grundsatz ist klar ersichtlich: Wer will, kann immer noch zu viel Geld ausgeben.

«Angst frisst Saläre.»

Rainer-Werner Fassbinder

Das Thema ist inzwischen gar nicht mehr dringend. Es gibt eine andere, wirkungsvollere Salärbegrenzung. Die Angst. Um mit Rainer-Werner Fassbinder zu sprechen: «Angst fressen Saläre». Oder «Angst fressen Gier». Die anhaltende Krise hat dazu geführt, dass die Alltagssorgen der gewöhnlichen Leute nun auch auf dem «Planeten Profisport» angekommen sind. Nämlich die Sorge, die Angst um den Arbeitsplatz. Kommt dazu, dass die Krise nicht nur einzelne Unternehmen bedroht. Sondern eine ganze Branche mit so hoch spezialisierten Arbeitsplätzen, dass kein Ausweichen in andere Berufe möglich ist. Wer Hockeyprofi ist, findet nur bei einem Hockeyclub gleich gut bezahlte Arbeit. Diese neuen Sorgen und Ängste haben bereits direkte Auswirkungen auf die aktuellen Verhandlungen. Ein gutes Beispiel dafür ist Langnaus Ivars Punnenovs (26).

Der lettische Nationaltorhüter mit Schweizer Lizenz war noch vor einem Jahr einer der begehrtesten Spieler auf dem helvetischen Markt. Sein Marktwert ist auf über 600'000 Franken geschätzt worden. Zumal grosse Klubs wie der SC Bern oder der HC Lugano keine grossen Torhüter haben. Sein Vertrag lief per Ende dieser Saison aus.

Eigentlich eine perfekte Ausgangslage für ein erfolgreiches Pokerspiel um mehr Lohn. Er gehörte ja noch nicht zum «500er-Klub». Zu jener privilegierten Kaste mit mehr als einer halben Million Salär pro Saison. Wenn er jetzt bei seinem neuen Vertrag nicht dazu in der Lage sein sollte, eine halbe Million herauszuholen, wann dann?

Die Krise hat alles verändert. Einerseits sind die Sportchefs in diesen unsicheren Zeiten nicht mehr gewillt, die Gesamtlohnsumme mit teuren neuen Verträgen zu erhöhen. Es geht um die wirtschaftliche Existenz des Klubs.

Und andererseits kehrt bei den Spielern die Vernunft ein. Lieber dort bleiben, wo man ist, als anderorts ein Risiko eingehen. Nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Ivars Punnenovs hat in Langnau für weniger als 400'000 Franken um ein weiteres Jahr verlängert. Hier fühlt er sich mit seiner Familie wohl, hier stimmt das Umfeld, hier hat er als unbestrittene Nummer 1 beste Voraussetzungen für eine sportliche Weiterentwicklung. Aus dem Verwaltungsrat der SCL Tigers wird bestätigt: Die Lohnerhöhung sei im Vergleich zum bisherigen, 2018 ausgehandelten Vertrag unerheblich.

Rapperswils Dominik Egli beim Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag 20. Oktober 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Dominik Egli wird froh sein müssen, wenn er künftig mehr als 300'000 Franken verdienen kann. Bild: keystone

Dominik Egli (22) war letzte Saison bei den Lakers der produktivste Schweizer Verteidiger der Liga. Sein Vertrag läuft per Ende Saison aus und schon geisterten absurde Salärprognosen von bis zu 700'000 Franken durch die Medien. Aber die «verrückten Jahre» sind vorerst zu Ende. Dominik Egli wird froh sein müssen, wenn er künftig mehr als 300'000 Franken verdienen kann.

Die neue Vorsicht bei den Ausgaben

Niemand weiss, wie lange die Krise dauern wird und wann sich die Verhältnisse wieder normalisieren werden. Wird es tatsächlich möglich sein, den 2022 auslaufenden TV-Vertrag (35 Millionen) zu noch besseren Konditionen zu verlängern? Wird die Werbeindustrie weiterhin so viel Geld ins Hockey investieren? Werden auch künftig so viele Fans ein Saisonticket kaufen wie bisher?

Die Unsicherheiten auf der Einnahmeseite führen zu Vorsicht auf der Ausgabeseite. Zu guten Konditionen mit eigenen Spielern verlängern macht Sinn und kann dem Publikum verkauft werden. Aber die Lohnbuchhaltung mit teuren Neuwerbungen womöglich auf Jahre hinaus belasten – das macht keinen Sinn, bringt die Existenz des Klubs in Gefahr.

Langnaus Andrea Noah Glauser, links, im Spiel gegen Rapperswils Jeremy Wick, rechts, im Eishockeyspiel der National League zwischen SC Rapperswil-Jona Lakers und den SCL Tigers am Freitag, 23. Oktober 2020, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil..(KEYSTONE/Alexandra Wey)

Verteidiger Andrea Glauser (24) wechselt Ende Saison von Langnau nach Lausanne. Bild: keystone

Die Sportchefs warten mit der Zusammenstellung der Mannschaft so lange wie noch nie. Nur ein wichtiger Wechsel ist bisher vorzeitig bekannt geworden: Verteidiger Andrea Glauser (24) wechselt Ende Saison von Langnau nach Lausanne.

Früher wurden Transfers schon für übernächste Saison gemacht. Leonardo Genoni (33) spielte nach Verkündung seines Wechsels zum SCB noch eine Saison in Davos und auch nach der Vertragsunterzeichnung in Zug blieb er noch eine Saison in Bern und hexte den SCB 2019 ausgerechnet gegen Zug im Final zum Titel.

Solche Extravaganzen gibt es nicht mehr. Die Sportchefs wissen ja nicht einmal, wie viel Geld sie nächste Saison zur Verfügung haben – oder wie viel Minus die Mäzene auszugleichen bereit sind.

Hinzu kommt die öffentliche und interne Wahrnehmung. Hohe Saläre sind bei neuen Verträgen nicht mehr zu rechtfertigen, wenn mit den anderen Spielern um Lohnverzicht gerungen wird, wenn mit Sponsoren oder Saisonkartenbesitzern darüber verhandelt werden muss, wie viel Geld für ausgefallene Spiele zurückbezahlt werden soll, und wenn Steuergelder für die Rettung von Sportunternehmen ausgegeben werden.

Die Spieler sitzen bei den Lohnverhandlungen erstmals seit Einführung der Playoffs (1986) am kürzeren Hebel.

Wann die Party wieder losgeht, weiss niemand. Immerhin lehrt uns die Geschichte, dass es nach einer überwundenen Krise viel schneller wieder rockt und rollt, als die meisten denken.

Aber die Krise kann auch länger andauern, als die meisten denken. Nicht ausgeschlossen, dass die Löhne in den nächsten vier, fünf Jahren auch ohne «Salary Cap» nicht mehr ansteigen werden.

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