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Crosscall Core-X4

Stabiles Gehäuse und pures Android – das ist der erste Eindruck des Crosscall Core-X4. Bild: watson

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Dieses Outdoor-Handy ist schier unkaputtbar – doch das hat einen grossen Haken



Crosscall. Das ist ein französischer Anbieter, der sich auf Outdoor-Handys spezialisiert hat. Der noch relativ junge Hersteller legt sich damit mit Branchengrössen wie CAT oder Samsung an. Crosscall hat uns das Core-X4 für mehrere Wochen zur Verfügung gestellt, um uns zu überzeugen, wie robust ihr Gerät ist.

Ein unverwüstliches Telefon

Das Crosscall kommt in einem für Outdoor-Handys typisch wuchtigem Gehäuse daher. Im Vergleich zum Klassenprimus Caterpillar wirkt es nicht ganz so kompakt. Crosscall hat sich aber durchaus Mühe beim Design gegeben und ein Handy geschaffen, dass schöne Akzente setzt. Ein Beispiel dafür ist der Auslöse-Button für die Kamera: Er kommt nicht nur in ansprechendem Rot daher, sondern ist dank seiner geriffelten Oberfläche auch mit nassen Fingern gut bedienbar.

Auf der Rückseite fällt vor allem der Pin-Connector auf, mit dem spezielles Zubehör verbunden werden kann. Unter anderem kann man sein Handy so ganz einfach an einer Dockingstation laden oder einen externen Speicher anbringen. Mit dem Core-X4 konnte ich das Zubehör zwar nicht testen, allerdings mit einem anderen Crosscall-Modell und da hat das Zubehör immer einwandfrei funktioniert.

In Sachen Stabilität kriegt man mit dem Core-X4 ein Handy, das wirklich unverwüstlich scheint. Egal ob auf Schotter, Teer, Beton oder Parkett – das Handy bleibt ganz. Beim Parkett muss man sogar fast Angst haben, dass eher der Boden denn das Handy beschädigt wird.

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Bild: watson

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Bild: watson

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Bild: watson

Einzig der Bildschirm stellt am ehesten noch eine kleine Schwachstelle dar. Nachdem das Gerät zwei, dreimal auf dem Schotterstrasse gelandet ist, hat sich doch ein feiner Kratzer im Display eingeschlichen. Guckt man sich das Datenblatt an, sieht man, dass Crosscall beim Display leider etwas gespart hat: Mit Corning Glass 3 erhält man nicht so eine gute Schutzklasse wie ähnlich teure Geräte. Hier ist also eine Schutzfolie ratsam.

Abgesehen davon ist das Core-X4 aber ein Outdoor-Handy durch und durch. Wasserfest, Schlammfest, sturzresistent, selbst ein paar Stunden im Gefrierfach steckt das Gerät mühelos weg. Der Bildschirm lässt sich auch mit nassen Händen noch einigermassen gut bedienen. Ebenfalls gibt es einen Handschuhmodus, der allerdings spätestens bei Skihandschuhen versagt. Mit dünneren Stoffhandschuhen kommt der Bildschirm aber gut zurecht.

Ein Innenleben für anspruchslose User

Bereits beim Prozessor fällt auf, dass Crosscall bei der Hardware gespart hat: Ein Snapdragon 450 ist ein Prozessor, der sonst eigentlich eher bei Einsteiger-Smartphones zu finden ist. Zum Vergleich: Nokia hat bei seinem Nokia 5.3, das in etwa zur gleichen Zeit wie das Core-X4 erschienen ist, einen besseren Prozessor verbaut – obwohl es bei Erscheinen 280 Franken weniger gekostet hat.

Die Prozessorleistung des Crosscall Core-X4 im Vergleich zu ...

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Das Crosscall Core-X4 erschien im Februar für 479 Franken (UVP). bild: geekbench

... derjenigen des wesentlich günstigeren Nokia 5.3.

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Das Nokia 5.3 erschien im März 2020 für 199 Franken (UVP). bild: geekbench

Diese Ersparnis merkt man bei der Geschwindigkeit: Apps starten weitaus gemächlicher, was zwischendurch etwas nerven kann. Teilweise dauert es gerne auch mal ein, zwei Sekunden, bis eine etwas umfangreichere App – wie YouTube – komplett geladen ist. Auch mit etwas ressourcenreichen Websites müht sich das Gerät bisweilen ab. Das trübt das Surferlebnis und zerrt am Geduldsfaden.

Der durchschnittliche Handy-Alltag, also Telefonieren, WhatsApp, Surfen und mal ein Foto machen, lässt sich damit trotzdem bewältigen. Wer keinerlei Ansprüche an die Geschwindigkeit hat, wird mit dem Core-X4 zurechtkommen, alle anderen werden den langsamen Prozessor mehr als einmal verfluchen.

Interner Speicher ist kaum vorhanden

Knauserig hat sich Crosscall auch beim internen Speicher gezeigt: 32 Gigabyte ist für ein modernes Handy in diesem Preissegment schlicht ein No-Go. Zieht man noch den Platz ab, den das Betriebssystem belegt, bleiben einem am Schluss noch 23,6 Gigabyte, die man effektiv nutzen kann. Schon die Installation von ein paar Apps frisst einen Grossteil des verbliebenen Speichers. Macht man dann noch ein paar Fotos, ist's vorbei mit dem freien Speicherplatz. So kommt man also nicht darum herum, eine externe Speicherkarte zu kaufen. Mit dieser kann man den Speicherplatz immerhin um bis zu 512 GB erweitern.

crosscall software

Bild: watson

Erfreulich war dafür der Fingerabdruckscanner. Dieser ist seitlich im Standby-Button untergebracht, was einfach um einiges angenehmer ist als auf der Vorder- oder Rückseite. Das Entsperren funktioniert sehr zuverlässig und angesichts des langsamen Prozessors erstaunlich flott. Trotzdem: Auf seiner Website schreibt Crosscall, das Core-X4 sei für professionelle Nutzer und seine Leistung übertreffe ein gewöhnliches Telefon bei Weitem. Das ist schlicht völlig übertrieben. Vielmehr ist das Core-X4 technisch ein Einsteiger-Handy mit dem Preisschild eines Mittelklassegeräts. Das sehr stabile Gehäuse kann den hohen Preis für die schwache Hardware schlicht nicht rechtfertigen.

Kamera versucht seine Schwächen mit viel MP zu kaschieren

Crosscall Core-X4 Test/Review

Bild: watson

Die Kamera hat 48 Megapixel. Dass viele Megapixel aber noch keine guten Fotos macht, zeigt das Core-X4 wunderbar auf. Ansprechende Fotos gelingen nur, wenn die Sonne sich blicken lässt. Ist es bewölkt, hat die Kamera schon sichtlich Mühe, sodass Bilder grösstenteils unterbelichtet sind. Geht dann am Abend die Sonne langsam unter, war's das mit dem Fotografieren. Hierbei muss es nicht einmal sehr dunkel sein. Die Kamera ist schon bei dämmrigem Licht überfordert, einen Nachtmodus sucht man vergebens.

Den fehlenden Nachtmodus kann man dem Gerät nachsehen, was aber gar nicht geht, ist die Kamera-Software von Crosscall. Für ein Smartphone in dieser Preisklasse ist die Software nicht nur spärlich ausgestattet, sondern auch absolut schrecklich in der Bedienung. Klar, einen Portätmodus in ein Outdoor-Handy zu integrieren, ist nicht nötig. Allerdings hätte man dem Core-X4 durchaus eine Panoramafunktion spendieren dürfen.

Die Übersicht der Kameramodi kommt sehr mager daher:

Crosscall Kamerasoftware

Bild: watson

Enttäuschend ist auch die Zeitlupe: Wählt man diese aus, wechselt die Auflösung von 1080p auf 480p. Mindestens 720p hätte hier einfach drin liegen müssen. Die Zeitlupe ist denn auch ein gutes Beispiel, wie schlecht die Crosscall-Kamera-App ist: Um die Zeitlupe zu starten, muss man ins Menü «Mehr» wechseln. Obwohl es dort einen HDR-Modus zur Auswahl gibt, findet man die Zeitlupe nirgends. Dafür muss man nun in die Einstellungen der App und dort die Funktion Zeitlupe zwischen all den anderen Optionen suchen. Ist Zeitlupe aktiviert, wechselt die Auflösung auf die oben erwähnten 480p. Wechselt man nun wieder in den normalen Videomodus zurück, bleibt die Auflösung auf 480p, wechselt also nicht automatisch zurück auf 1080p. So muss man also in den Einstellungen die Auflösung wieder manuell auf 1080p ändern. Sowas ist mühsam und überhaupt nicht benutzerfreundlich.

Screenshot Kamera-Interface

Crosscall Kamerasoftware

Wer Dinge wie Belichtung, Timer oder die Zeitlupe sucht, muss von der Kamera-App zuerst in die erweiterten Funktionen wechseln und von dort nochmals weiter in die Einstellungen. Das ist mühsam. Bild: watson

Crosscall Kamerasoftware

Ebenfalls mühsam ist, dass Optionen wie Slow-Motion oder Zeitraffer, die man vermutlich häufiger verwendet als QR-Code-Erkennung, ganz zuunterst zu finden sind. Man muss also jedes mal noch scrollen. Bild: watson

Ebenfalls ein Manko ist, dass es Basisfunktionen, die in jedem noch so günstigen Budget-Handy, das ich kenne, vorhanden sind, fehlen. Ein Beispiel: Positioniert man den Fokus im Live-View in einem anderen Bereich, springt er nach dem Auslösen wieder in die Mitte des Bildschirms zurück. Man muss ihn also für ein weiteres Foto erneut auf das Objekt fokussieren. Ebenfalls ist es nicht möglich, den Fokus zu arretieren oder die Belichtung im Live-View anzupassen.

Klar, man kann nun natürlich damit argumentieren, dass Leute, die ein Outdoor-Handy benutzen, solche Dinge nicht brauchen. Andererseits: Das sind Basisfunktionen, die man in einem Handy für 479 Franken erwarten darf. Gewisse Funktionen, die in der App von Crosscall fehlen, kann man sich immerhin mit Alternativen wie der Open Camera holen. Bei der Bildqualität lässt sich aber leider auch damit nicht viel herausholen. Hier ist wohl einfach der Sensor des Core-X4 zu schlecht.

Akku hält locker über 24 Stunden

Die schwache Hardware macht sich vor allem beim Akku bemerkbar – im positiven Sinne. Die verbauten Komponenten sind nicht sehr stromhungrig und fordern den 3850-mAh-Akku nicht sonderlich. Selbst bei intensiver Nutzung stand die Akkuanzeige nach 22.00 Uhr noch bei über 50 Prozent – obwohl das Handy seit 6.00 Uhr nicht mehr an einer Steckdose hing.

In dieser Zeit habe ich mit dem Handy fotografiert, rund eine halbe Stunde im Netz gesurft, Nachrichten geschrieben, knapp 4 Stunden Musik gestreamt und 42 Minuten Videos abgespielt. Wer das Core-X4 nicht so intensiv nutzt, dürfte problemlos über 30 Stunden ohne Steckdose auskommen.

Die Software ist ein grosser Minuspunkt

Crosscall installiert auf seinen Handys pures Android. Hinzu kommt nur noch zwei Apps von Crosscall, eine davon ist die hauseigene Kamera-App. Das ist eine gute Sache und sollte eigentlich ein Verkaufsargument für die Geräte sein. Nur: Crosscall scheint sich nicht die Mühe zu machen, seine Geräte aktuell zu halten. So wird das Crosscall mit Android 9 ausgeliefert, ein Update auf Android 10 war bis zum Testende nicht verfügbar (Stand 16. Oktober 2020).

Screenshot Software-Version

crosscall software

Bild: watson

Fast bedenklicher ist aber, dass der letzte Sicherheits-Patch vom Februar 2020 stammt (Stand 16. Oktober 2020). Das X4 hat also seit über 7 Monaten keine Sicherheits-Updates mehr erhalten. Das ist dann doch etwas schwach, vor allem in Anbetracht dessen, dass Crosscall seine Geräte auch als Google-zertifizierte Firmenlösungen anpreist. Will eine Firma wirklich ein Smartphone, dass schon beim Kauf veraltete Software – und damit potenzielle Sicherheitslücken – aufweist?

Immerhin: Crosscall verspricht auf seiner Website, dass das Core-X4 Android 10 erhalten wird. Seit dem 7. September sollen Endgeräte mit dem Update versorgt werden. Bisher ist das aber nicht passiert. Auf Nachfragen von watson hat uns Crosscall gesagt, dass Android 10 bis Ende Oktober auf dem Core-X4 verfügbar sein wird. Zu hoffen bleibt, dass dann auch die Sicherheits-Updates wieder monatlich kommen.

Die Sache mit den Sensoren

Crosscall X4 Sensors App

So sehen drei der verfügbaren Funktionen aus. Bild: watson

Crosscall liefert das Core-X4 mit einer App namens X4 Sensors aus. Die App soll das Outdoor-Handy mit nützlichen Funktionen versorgen, die man eben so als Outdoor-Mensch braucht. Folgende Funktionen sind in der App zu finden:

Nüchtern betrachtet muss man leider sagen: Die App hätte sich Crosscall eigentlich sparen können und die Energie lieber in aktuelle Software gesteckt. Die App bietet grundsätzlich keine Funktion, die ich nicht mit einer App aus dem Play Store beziehen kann. Dinge wie Bluetooth oder Batterie sind sogar völlig überflüssig, da dies im Android-System ebenfalls zu finden ist.

Immerhin zwei Gründe, die für die Crosscall-App sprechen: Alles ist an einem Ort zu finden und ich muss nicht etliche unterschiedliche Apps installieren, die dann womöglich gewisse fragwürdige Berechtigungen verlangen. Die X4-Sensors-App verlangt als Berechtigung nur Zugriff auf den Standort.

Fazit zum Crosscall Core-X4

Crosscall Core-X4

Bild: watson

Crosscall hat mit dem Core-X4 ein Handy gebaut, das nur sehr schwer kaputtzukriegen ist. Wasser, Staub, Erschütterungen – alles kein Problem. Selbst, wenn es auf einen Steinboden fällt, steckt das Gerät dies ohne Probleme weg.

Enttäuschend ist das Core-X4 beim Innenleben. Vor allem der langsame Prozessor und der minimale interne Speicher fallen hier negativ auf. Die Kamera schiesst (bei gutem Licht) passable Fotos, hat aber schon bei bewölktem Himmel sichtbar Mühe. Hinzu kommt eine App, mit kaum vorhandenem Funktionsumfang und umständlicher Bedienoberfläche.

Es scheint fast, als gehe Crosscall davon aus, dass die Nutzer von Outdoor-Handys keine technikaffinen Leute sind. Vielleicht mag das sogar stimmen. Aber das Core-X4 ist für 479 Franken einfach zu schwach ausgestattet. Selbst das Nokia 5.3 für aktuell rund 180 Franken bietet hier mehr, vor allem bei der Kamera.

Crosscall Core-X4 Test/Review

Bild: watson

Die schwache Hardware hat immerhin einen Vorteil: Sie schont den Akku. Dieser ist zwar nur 3850 mAh gross, hält aber trotzdem locker 24 Stunden, meistens sogar länger.

Unter dem Strich ist das Crosscall Core-X4 vor allem eines: Ein sehr robustes Handy, das leider kaum mit inneren Werten punkten kann. Bis auf die sehr gute Akkulaufzeit gibt es nichts, was Hardware-seitig für das Core-X4 spricht – zumindest nicht für 479 Franken. Der definitive Todesstoss ist dann aber die veraltete Software. Das Betriebssystem hinkt trotz Stock Android hinterher. Während andere Anbieter mit purem Android schon Version 11 ausliefern, wartet man beim Core-X4 noch immer auf Version 10. Hinzu kommen die seit Monaten fehlenden Sicherheitsupdates. Bei der überschaubaren Anzahl Geräten, die Crosscall anbietet, müsste man meinen, dass so etwas nicht passieren kann.

Man kann nur hoffen, dass Crosscall bei der nächsten Generation kräftig nachbessert. Denn das gute Gehäuse und Stock Android wären eigentlich eine gute Ausgangslage für ein richtig tolles Outdoor-Handy.

Pro/Contra:

- Fällt das Gerät runter, geht eher der Boden kaputt als das Handy
- Akku hält problemlos mehr als 24 Stunden​

- Schwacher Prozessor für dieses Preissegment
- Nur 32 GB interner Speicher (davon knapp 25 GB nutzbar)
- Veraltetes Betriebssystem (Android 9)
- Keine Sicherheitsupdates seit über 7 Monaten
- Kamera höchstens durchschnittlich mit magerem Funktionsumfang
- Kamera-App ist nicht sehr benutzerfreundlich

Die wichtigsten Daten

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